Trent Reznor lernte David Bowie 1995 während einer schwierigen Phase in seinem Leben kennen und war sichtlich beeindruckt von seinem, mitunter eigenwilligen, Wesen.

Im Rahmen einer gemeinsamen Tournee und dessen Vorbereitung reifte Bowie, der zuvor schon eine wichtige Inspirationsquelle und Identifikationsfigur darstellte, so zu einer Art Mentor für Reznor heran, der ihn durch sein Wirken positiv beeinflusste und indirekt bei der Bewältigung seiner damaligen Drogensucht half.

Er war clean und ich war es nicht. Er nahm mich unter seine Fittiche, wie eine Art Mentor. Er hielt mehre Reden, die mich durch seine Weisheit beeindruckten und mir schlussendlich halfen.

Auch David Bowie fand lobende Worte über Reznors Schaffen. So beschrieb er Trent Reznors Musik wie gefolgt:

Die Schönheit von Trents Musik, wie sie in die Annalen der Industrial-Musik und mechanischen Soundexperimente eingegangen ist, ist anziehend und abstoßend zugleich: Nietzsches „Gott ist tot“ zu einem Clubbeat. Im wichtigsten Moment getragen von einer extrem verlockenden Melodie.

Vorgestellt werden sollen in der Übersicht die gemeinsamen Projekte: der Remix zum Lied „The Hearts Filthy Lesson“, die „Dissonance – Tour“ und „I’m Afraid Of Americans“.

1995 The Hearts Filthy Lesson (Trent Reznor Alternative Mix with Chris Vrenna, D. Ogilvie)

Die erste Arbeit Trent Reznor für David Bowie stellte ein Remix des Liedes The Hearts Filthy Lesson dar, den Reznor zusammen mit Chris Vrenna und D. Ogilvie mixte.

The Hearts Filthy Lesson – Remix

1995 Dissonance – Gemeinsame Tour

Im Herbst 1995 gingen David Bowie und Nine Inch Nails, auf Initiative Bowies, auf eine gemeinsame Tournee namens Dissonance.

Die Tour führte Reznor und Bowie durch 26 amerikanische Städte und zeichnete sich durch sein für damalige Zeit innovatives Konzept aus. Statt zwei streng getrennten Konzertteilen gab es einen fließenden Übergang zwischen den Interpreten, bei welchem David Bowie mit Nine Inch Nails zusammen auftrat.

Trotz des innovativen Konzeptes blieb die Tournee jedoch hinter den Erwartungen, worüber David Bowie anschließend frohlockte:

Ich persönlich mochte die Kombination von mir und NIN sehr, aber meine Fans nicht. Pech gehabt!

In dem Video könnt ihr den Übergangsteil, sowie drei Songs von David Bowie ansehen und einen Eindruck gewinnen:

Dissonance – Mitschnitt

Songliste

David Bowie und Nine Inch Nails
  • Subterraneans
  • Scary Monsters
  • Reptile
  • Halo Space Boy
  • Hurt
David Bowie
  • The Heart’s Filthy Lesson
  • The Man Who Sold the World
  • Under Pressure

Kurz vor der Tournee gaben David Bowie und Trent Reznor MTV ein Interview zur Tour.

1997 I’m Afraid Of Americans

1997 kam es zu einer weiteren Kollaboration zwischen David Bowie und Trent Reznor. Für die Single-Veröffentlichung des Bowie – Liedes „I’m Afraid Of Americans“ remixte Trent Reznor das Lied. Es entstanden dabei 5 verschiedene Fassungen, wovon die erste Fassung als Single und im dazugehörigem Musikvideo verwendet wurde.

2016 empfindet Reznor gemischte Gefühle beim Gedanken an das damalige gemeinsame Projekt:

Das „I’m Afraid of Americans“ – Video fällt in einem Zeitraum, in dem es mir am schlechtesten ging – verrückt und beschämt darüber, wie ich zu der Zeit war. Wenn ich zurückblicke, habe ich gemischte Gefühle: Einerseits bin ich dankbar und fühle mich geschmeichelt, Teil von dem Projekt gewesen zu sein. Andererseits verabscheue ich mein damaliges Ich und wünsche mir, ich wäre 100% ich gewesen. Das nagt an mir.

Das Lied wurde 2009 von Nine Inch Nails für die Wave Goodbye – Tour gecovert. Diese Fassung könnt ihr euch hier anschauen:

Nine Inch Nails covert: I’m Afraid Of Americans

Und danach?

Trent Reznor traf David Bowie einige Jahre später, von seiner Drogensucht geheilt, bei einem Bowie – Konzert in LA. Sichtlich beschämt ging er hinter die Bühne, um sich bei ihm für seine Hilfe zu bedanken. Ehe er aussprechen konnte, wie lange er jetzt clean sei, umarmte ihn Bowie bereits und sagte:

Ich wusste, ich wusste es, dass du es schaffst. Ich wusste, dass du daraus kommst.

Bowies warmherzige Art beeindruckte Reznor erneut, seine Reaktion bedeutete ihm sehr viel. Noch heute bekommt er eine Gänsehaut bei dem Gedanken an diesen Moment. Den Verlust Bowies kommentiert Reznor daher auch wie gefolgt:

Es fühlte sich wie der Verlust eines väterlichen Mentors an, der auf einen aufpasst. Er mir gezeigt, dass in einer Welt, in der das Niveau ständig sinkt und Dummheit sich immer weiter ausbereitet, dennoch Platz für eine exzellente und kompromisslose Vision ist.